Rückblick Vereinsjahr 2025/2026
13. Mai 2026 – Im Vereinsjahr 2025/2026 konnten wir zentrale Themen gezielt vorantreiben und unser Engagement weiter vertiefen: Wir setzten mit dem Thema Gendermedizin einen klaren Schwerpunkt, brachten uns auf nationaler Ebene ein und konnten wichtige Impulse für die zukünftige Vereins- und Parteiarbeit setzen.
Neustart im Vorstand und gelungener Auftakt
Nachdem Patricia Doka-Bräutigam letztes Jahr am 14. Juni 2025 den Vorstand vorzeitig verlassen hatte, wurde Claudia Brodbeck als neue Vizepräsidentin gewählt. Zu fünft traten wir in das Vereinsjahr 2025/2026 ein. Die Verdankung und unser gemeinsamer Auftakt führten uns ins Freidorf in Muttenz, wo wir bei brütender Hitze an einer Führung durch die Wohnbaugenossenschaft teilnahmen und den Anlass anschliessend bei einem Apéro im Schatten der Bäume ausklingen liessen.
Themenfindung: Gesundheit im Fokus
Anlässlich unserer Vorstandssitzung im Oktober 2025 widmeten wir uns in einem intensiven Brainstorming der Frage, welchen Anlass wir organisieren könnten und welches Thema mobilisiert. Wir entschieden uns für das Thema Gesundheit. Denn ohne Gesundheit funktioniert nichts – weder das Individuum noch die Familie, der Betrieb oder die Wirtschaft. Obwohl wir im 21. Jahrhundert leben, ist die Medizin noch immer häufig von Stereotypen geprägt – insbesondere zulasten der Frauen.
Uns war rasch klar, dass wir das oft missverstandene Thema «Gendermedizin» aufgreifen wollten. Auf der Suche nach geeigneten Referentinnen stiessen wir auf PD Dr. med. et phil. Berna Özdemir, Leitende Ärztin für Onkologie am Inselspital Bern. Ich machte mich umgehend daran, erste Save-the-Date-Mitteilungen zu versenden. Unter anderem lud ich auch Regierungsrat Lukas Engelberger, Parteigenosse, Gesundheitsdirektor des Kantons Basel-Stadt und Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz, sowie Regierungsrat Thomi Jourdan, Vorsteher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion des Kantons Basel-Landschaft, ein. Beide mussten zwar absagen, doch blieb die Kontaktaufnahme nicht ohne Wirkung: Thomi Jourdan signalisierte Interesse an einem gemeinsamen Anlass zur Gesundheitsversorgung mit den Mitte Frauen Basel-Landschaft, der nun am 22. Oktober 2026 stattfinden wird.
Engagement, Wahl ins Präsidium der Mitte Frauen Schweiz und ein verpasstes Weihnachtsessen
Bereits am 28. November 2025 fand unser Weihnachtsfest im Kloster Dornach statt – leider ohne mich, da ich krankheitsbedingt das Bett hüten musste. Zuvor hatte am 21. und 22. November die intensive Mitgliederversammlung der Mitte Frauen Schweiz in Fribourg stattgefunden, an der ich als Präsidiumsmitglied gewählt wurde.
In dieser neuen Funktion übernahm ich sogleich eine zentrale Aufgabe: die Revision der Statuten sowie die Ausarbeitung eines Organisations-, Finanz- und Kommunikationsreglements. Ebenfalls in meiner Rolle als Präsidiumsmitglied der Mitte Frauen Schweiz – und als Mitglied der Arbeitsgruppe Klima und Energie sowie Präsidentin der Mitte Frauen Basel-Landschaft – durfte ich am 22. Januar 2026 im SRF-Forum auftreten. Dort debattierte ich mit Tobias Frehner, dem ehemaligen Präsidenten der Jungfreisinnigen des Kantons Bern und damaligen Wahlkampfleiter der FDP Bern, über die Klimafonds-Initiative. Die Rückmeldungen waren zahlreich und fielen auch seitens der Initiativgegner vielfach positiv aus.
Erfolgreicher Anlass zur Gendermedizin
Am 5. März 2026 war es schliesslich so weit: Wir durften Dr. med. Özdemir im Kulturbistro Mittenza in Muttenz begrüssen. In ihrem Referat erläuterte sie das Thema «Gendermedizin» und dessen Abgrenzung zur «Frauenmedizin». Der Anlass war gut besucht und stiess auf grosses Interesse.
Wir lernten, dass sich die Gendermedizin mit biologischen und sozialen Unterschieden – also «Sex» und «Gender» – und deren Auswirkungen auf Diagnostik, Therapie und Forschung befasst. Diese Unterschiede beeinflussen sowohl die Entstehung von Krankheiten als auch deren Symptome und Behandlungschancen. Dr. Özdemir zeigte auf, dass Gendermedizin nicht nur Frauen (beispielsweise beim Herzinfarkt), sondern auch Männer (etwa bei Osteoporose) betrifft – und zwar in jedem Alter.
Anhand konkreter Beispiele verdeutlichte sie die Bedeutung dieser Unterschiede in der Onkologie. So wissen wir spätestens seit diesem Anlass, dass Frauen aufgrund ihres langsameren Stoffwechsels ihrer geringeren Muskelmasse häufig stärker unter den Nebenwirkungen einer Chemotherapie leiden. Dennoch werden Medikamente oft in Standarddosierungen verabreicht, die sich an der Körperoberfläche orientieren. Männer und Frauen erhalten häufig identische Therapien, obwohl diese unterschiedlich wirken.
Ein zentraler Grund dafür liegt darin, dass klinische Studien lange Zeit nahezu ausschliesslich mit Männern durchgeführt wurden – ursprünglich, um Frauen nach dem Contergan-Skandal zu schützen. Diese gut gemeinte Vorsicht hatte jedoch gravierende Folgen: Frauen wurden über Jahrzehnte systematisch von Studien ausgeschlossen. Auch heute besteht seitens der Industrie wenig Anreiz, geschlechtsspezifische Forschung voranzutreiben, da sie kostenintensiv und aufwendig ist.
Die Gendermedizin befindet sich weiterhin in der Entwicklung. Es ist daher entscheidend, das Bewusstsein für diese Thematik zu schärfen, denn die bestehenden Datenlücken betreffen uns alle. Der erste Schritt besteht darin, zu vermitteln, worum es bei Gendermedizin überhaupt geht. In den Worten von Dr. Özdemir: Sie bildet die Grundlage der Präzisionsmedizin. Als Mitglied des Präsidiums der Mitte Frauen Schweiz habe ich dieses Thema erneut auf die Traktandenliste gesetzt und werde mich weiterhin dafür einsetzen.
Weiterführendes Engagement: Endometriose
Mit dem Thema Gendermedizin ist es jedoch nicht getan. Gemeinsam mit meiner Präsidiumskollegin Nicole van Roojien-Rollier – die eigens für unseren Anlass aus Weinfelden nach Muttenz angereist war – habe ich die Arbeitsgruppe «Frauengesundheit und Gendermedizin» ins Leben gerufen. Auch die Frauenmedizin muss stärker auf die politische Agenda.
Denn Endometriose zum Beispiel verursacht bei den Betroffenen erhebliches Leid. Für eine Diagnose sind oft mehrere operative Eingriffe notwendig; neue Verfahren wie Speicheltests werden in der Schweiz bislang nicht von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen. Die Krankheit kann mehrere Organe betreffen, zu erheblichen psychischen Belastungen führen und in schweren Fällen sogar tödlich verlaufen.
Endometriose ist – wie auch die Gendermedizin – kein rein individuelles oder «Frauenproblem», sondern ein gesamtgesellschaftliches Thema. Sie verursacht hohe Kosten im Gesundheitswesen und führt zu Ausfällen von Arbeitskräften – sowohl in der Erwerbsarbeit als auch in der Care-Arbeit. Stark betroffen sind dabei auch Angehörige und Familien.
Politische Entwicklungen und Abstimmungen
Und dann: der 8. März 2026 – Frauentag und zugleich nationaler Abstimmungstag. Mit der Annahme der Individualbesteuerung durch das Schweizer Stimmvolk sah sich die Mitte Schweiz mit einer schwierigen Frage konfrontiert: Wie ist mit den beiden Fairness-Initiativen umzugehen? War das Abstimmungsergebnis ein Ja zur Abschaffung der Heiratsstrafe, ein Ja zum Modell der Individualbesteuerung – oder beides?
Nach intensiven Diskussionen wurde ein Entscheid gefällt: Die Initiativen kommen zur Abstimmung. Damit steht uns im kommenden November ein anspruchsvoller Abstimmungskampf bevor, der eine klare und durchdachte Strategie erfordert. Klar ist jedoch: Unabhängig vom Ausgang hat die Mitte Schweiz alles unternommen, um ein faires Steuersystem für alle – verheiratet oder nicht – zu erreichen.
Sicherheitspolitik und internationale Einordnung
Anlässlich der Mitgliederversammlung der Mitte Frauen Schweiz vom 24. und 25. April 2026 hatten wir schliesslich die Gelegenheit, Bundesrat Martin Pfister im Bundeshaus zu treffen. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten diskutierten wir die sicherheitspolitische Lage der Schweiz.
Die Frage, wo die Schweiz heute steht und welchen Herausforderungen sie sich in den kommenden Jahren stellen muss, ist aktueller denn je – insbesondere seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022. In einer Welt, in der Diplomatie zunehmend von Machtpolitik verdrängt wird und die Interessen Einzelner über das Wohl der Bevölkerung gestellt werden, gilt mehr denn je: Sicher ist, dass nichts sicher ist.
Gerade vor diesem Hintergrund sind für die Schweiz als kleine Nation im Herzen Europas stabile Beziehungen zu ihren Nachbarländern und zur Europäischen Union von zentraler Bedeutung. Diese Partnerschaften gilt es zu pflegen, weiterzuentwickeln und gemeinsam für unsere Werte einzustehen. Wir hoffen, dass sich das Schweizer Stimmvolk dies bei den kommenden Abstimmungen im Juni sowie bei der voraussichtlich 2027 anstehenden Abstimmung zu den Bilateralen III vor Augen führt.
Ich möchte mich herzlich bei meinen Vorstandskolleginnen für die Unterstützung auch in diesem Vereinsjahr danken und hoffe, einige Mitglieder auch an den kommenden Anlässen begrüssen zu dürfen!
Beatrice Borio, Präsidentin Die Mitte Frauen BL
