Gendermedizin – Nur ein (Trend-)Wort?
Nein – Gendermedizin als Grundlage für die Präzisionsmedizin
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Nein – Gendermedizin als Grundlage für die Präzisionsmedizin
«Gendermedizin ist kein vorübergehendes Trendthema, sondern kann über Leben und Tod entscheiden.» – PD Dr. med. Berna Özdemir
Am 5. März 2026 durften die Mitte Frauen Basel-Landschaft PD Dr. med. et phil. Berna Özdemir, Leitende Ärztin für Onkologie am Inselspital Bern, im Kulturbistro der Mittenza in Muttenz begrüssen. Sie hat einen Vortrag zum Thema «Gendermedizin» und dessen Abgrenzung zur «Frauenmedizin» referiert. Gendermedizin ist leider ein Wort, das bei vielen Menschen Unbehagen auslöst. Warum? Es wird missverstanden. Gendermedizin beschäftigt sich mit biologischen und sozialen Unterschieden – also Sex und Gender – und deren Auswirkungen auf Diagnostik, Therapie und Forschung. Diese Unterschiede beeinflussen, wie Krankheiten entstehen, welche Symptome auftreten und ob bzw. wie gut Therapien wirken. Gendermedizin betrifft Frauen (typisches Beispiel: Herzinfarkt) wie auch Männer (typisches Beispiel: Osteoporose) – und zwar jeglichen Alters. In der Onkologie zeigt sich die Bedeutung dieser biologischen und sozialen Unterschiede besonders stark. Dies betrifft nicht nur die Entstehung von Krebs aufgrund des unterschiedlichen Immunsystems, der Genetik und Hormone, sondern auch die Diagnose (z.B. Fehlinterpretation von Symptomen) und die Therapien. So leiden Frauen aufgrund ihres langsameren Stoffwechsels und der geringeren Muskelmasse, welche zum Abbau von Medikamenten beiträgt, häufig stärker unter den Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Dennoch werden Medikamente oft in Standarddosierungen verabreicht, die sich an der Körperoberfläche orientieren. Männer und Frauen erhalten oftmals die gleichen Therapien, obwohl die Auswirkungen der jeweiligen Therapie unterschiedlich sind. Der Grund für die mangelnde Unterscheidung bei den Therapien liegt darin, dass klinische Studien lange Zeit fast ausschliesslich mit Männern durchgeführt wurden. Hintergrund dieser Entwicklung ist Contergan-Skandal. Nach diesem Skandal wollte man Frauen schützen, wodurch sie jahrzehntelang von Studien ausgeschlossen wurden. Der Schutzgedanke hat letztlich das Gegenteil bewirkt. Aktuell hat die Industrie wenig Anreiz, geschlechtsspezifische Forschung zu betreiben – sie ist teuer und aufwendig. Die Gendermedizin befindet sich noch immer in der Entwicklung. Wir müssen dazu beitragen, dass das Bewusstsein für die Thematik geschärft wird. Anfangen müssen wir damit, dass die Menschen verstehen, worum es bei der Gendermedizin geht. Gendermedizin ist – um es in den Worten von Dr. med. Özdemir auszudrücken – die Grundlage für Präzisionsmedizin. Die bestehenden Datenlücken betreffen uns alle.